Das kleine Anti-Stress-Buch
Verstehe, wie Stress entsteht, und lerne die wichtigsten Regeln, um ihn dauerhaft zu besiegen
Einführung: Was Stress wirklich ist
Stress ist die natürliche Reaktion deines Körpers auf Situationen, die schwierig oder herausfordernd sind.
Stress entsteht meist dann, wenn du dich mental, körperlich oder emotional unter Druck gesetzt fühlst. Sobald du eine Situation als belastend empfindest, sendet dein Körper chemische Signale aus, die die sogenannte “Kampf-oder-Flucht-Reaktion” auslösen.
Stress ist also eine instinktive, körperliche Antwort auf eine wahrgenommene Bedrohung oder Gefahr in deiner Umgebung.
Wenn du gestresst bist, macht sich dein Körper bereit, gegen das anzukämpfen, was den Stress auslöst. Vor Tausenden von Jahren war diese Stressreaktion für unsere nomadischen Vorfahren überlebenswichtig: Sie machte sie in Gefahrensituationen stärker und schneller. War die Gefahr vorbei, klang auch die Stressreaktion wieder ab.
Warum ist chronischer Stress heute so verbreitet?
Die Moderne hat uns viele Annehmlichkeiten gebracht, aber auch ganz eigene Probleme. Wir leben zwar im Zeitalter des Internets und moderner Technologie, doch unser Körper hat sich daran noch längst nicht vollständig angepasst. Genetisch sind wir immer noch auf das Leben als Jäger und Sammler ausgelegt.
Durch die Anforderungen des modernen Lebens werden wir heute von Dingen gestresst, gegen die wir weder kämpfen noch vor denen wir davonlaufen können: die Arbeit, das Familienleben, schwierige Kollegen und vieles mehr. Wir sind Tag für Tag mit Stressauslösern konfrontiert.
Was passiert bei dauerhaftem Stress?
Wenn die Stressreaktion über lange Zeit anhält, stellen sich nach und nach stressbedingte Symptome und Beschwerden ein.
Typisch sind starke Migräne, Übersäuerung des Magens, Schlaflosigkeit und Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen. Anhaltender Stress wird außerdem mit der Entstehung chronischer Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes in Verbindung gebracht.
Kann Stress unsere Gesundheit beeinträchtigen?
Lange Zeit galt Stress als reine Kopfsache ohne Auswirkungen auf den Körper. Wissenschaftliche Studien zeigen heute deutlich, dass diese Annahme falsch war: Stress kann direkte, negative Folgen für die Gesundheit haben.
So empfehlen Fachgesellschaften wie die American Heart Association regelmäßiges Stressmanagement, um Blutdruckspitzen zu kontrollieren, die bei Menschen mit Bluthochdruck das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt erhöhen können.
Diabetes-Fachverbände warnen zudem, dass übermäßiger Stress den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen und das Essverhalten negativ beeinflussen kann.
Der nächste Schritt
Wenn du ein erfüllteres Leben ohne die vielen Beschwerden und Gesundheitsrisiken durch Stress führen möchtest, musst du dich bewusst darum kümmern, dein Stresslevel zu senken.
Die gute Nachricht: Stressmanagement ist keine Raketenwissenschaft. Jeder kann es lernen. Ob du studierst, unterrichtest, auf dem Bau arbeitest oder im Büro sitzt: Du kannst sofort damit beginnen, die Wirkung von Stressoren auf Körper und Geist zu verringern.
Ein wichtiger Hinweis vorab: Dieser Guide ersetzt keine medizinische Beratung. Wenn du unter starken oder anhaltenden Beschwerden leidest, sprich bitte mit einem Arzt.
Der smarte Umgang mit Stressoren
Was sind Stressoren?
Stressoren sind die verschiedenen Umstände in deinem Leben, die dich unter Druck setzen, ermüden oder wütend machen. Und sie sind bei jedem Menschen anders: Was dich extrem stresst, lässt deinen Nachbarn vielleicht völlig kalt.
Der Grund dafür liegt in deinem Kopf. Dein Verstand entscheidet, ob eine Situation als stressig bewertet wird oder nicht.
Das moderne Stressmodell zeigt: Die eigentliche, körperliche Stressreaktion ist nur das letzte Glied einer langen Kette zusammenhängender Ereignisse:
- Du erlebst eine Situation oder ein Ereignis.
- Du nimmst das Erlebnis als stressig wahr.
- Das Erlebnis löst negative Emotionen aus.
- Die negative emotionale Erregung erzeugt psychische Anspannung.
- Die psychische Anspannung löst die körperliche Stressreaktion aus.
Wie kannst du deine Stressoren in den Griff bekommen?
Jeder von uns hat eigene Wege entwickelt, mit Stress umzugehen. Hätten wir das nicht, könnten wir gar nicht funktionieren, denn fast jeder Aspekt des modernen Lebens kann als stressig empfunden werden.
Manche Menschen scheinen ein natürliches Talent für den Umgang mit Stress zu haben. Diese Menschen sind allerdings selten. Die meisten von uns tun sich schwer damit, den Stress in ihrem Leben zu bewältigen.
Die folgenden drei Grundsätze helfen dir, deine Stressoren so zu managen, dass entspanntere und produktivere Tage vor dir liegen.
1. Erinnere dich: Du hast die Kontrolle
Das ist der wichtigste Schritt im Stressmanagement überhaupt. Die mächtigste Person in deinem Leben bist du selbst. Du hast immer die Wahl, wie du fühlst und wie du das Leben erlebst.
Erinnerst du dich an das letzte Mal, als du extrem gestresst warst, weil jemand nicht das getan hat, was er tun sollte? Vielleicht hast du etwas gesagt wie: “Der macht mich noch wahnsinnig! Der stresst mich jedes Mal!”
Genau in diesem Moment warst du nicht nur wütend und gestresst, du hast auch die Kontrolle über die Situation an jemand anderen abgegeben. Warum? Weil du zugelassen hast, dass das Verhalten der anderen Person dich ärgert und stresst.
Dein Verstand entscheidet, welche Situationen stressig sind. Deshalb hat jeder Mensch sein eigenes, individuelles Set an Stressoren. Bevor etwas zum Stressor werden kann, muss dein Kopf das Erlebnis erst verarbeiten und bewerten. Wenn dich etwas stresst, erlaubst du dieser Situation gewissermaßen, die Oberhand über dich zu gewinnen.
Um die Kontrolle zurückzuerlangen, musst du aktiv auf Gedanken und Verhaltensweisen setzen, die keinen Stress auslösen. Das ist am Anfang schwer. Aber je öfter du deine Stressreaktion in verschiedenen Situationen bewusst steuerst, desto klarer wirst du erkennen: Du hast immer eine Wahl, und du musst nicht ständig gestresst sein.
Heißt das, du sollst deine Stressoren einfach ignorieren? Nein. Viele der alltäglichen Stressoren lassen sich nicht folgenlos ignorieren. Wenn deine Kinder laut und wild sind und dich das fast täglich stresst, kannst du sie nicht einfach ausblenden, denn sie brauchen deine Aufmerksamkeit und Fürsorge.
Was du aber ändern kannst, ist deine gewohnte Reaktion. Es ist nicht fair dir selbst gegenüber, jeden Tag mit einem toxischen Stresslevel zu leben. Wenn dich der Lärm deiner Kinder das nächste Mal aufregt, reagiere konstruktiver: Bitte sie, leiser zu sein, oder lass sie in einem anderen Teil der Wohnung spielen.
2. Verpflichte dich zum Stressmanagement
Menschen, die seit vielen Jahren unter extremem Stress leiden, glauben oft, Stress gehöre einfach zu ihrem Leben und es sei “unmöglich”, ohne Stress zu leben.
Das moderne Stressmodell zeigt, dass diese Vorstellung falsch ist. Wer chronisch gestresst ist, lässt stressigen Situationen, oft unbewusst, immer wieder die Oberhand.
Tatsächlich kann man sich unbewusst darauf “festlegen”, auf alle möglichen Situationen mit Stress zu reagieren. Wenn du das Gefühl hast, dass genau das bei dir passiert ist, dann ist es Zeit für eine neue Verpflichtung dir selbst gegenüber: Ab jetzt wirst du deinen Stress aktiv managen und ihn stoppen, wann immer es möglich ist.
Chronischer Stress kann ernsthaft krank machen. Deshalb triff diese Entscheidung heute. Nicht morgen, nicht nächsten Monat, sondern jetzt.
Verpflichte dich dazu, dass stressige Situationen nicht länger deinen Alltag dominieren. Mach dir bewusst: Du hast die volle Kontrolle über deine Handlungen, Gedanken und Emotionen, und du kannst jederzeit ändern, wie du auf stressige Ereignisse reagierst.
Um motiviert zu bleiben, belohne dich jedes Mal, wenn du dich bewusst um dein Stressmanagement kümmerst. Kleine, regelmäßige Belohnungen wirken dabei deutlich besser als große, seltene.
Um deine neue Verpflichtung offiziell zu machen, kannst du einen Anti-Stress-Vertrag mit dir selbst schließen:
Ich, __________________, habe erkannt, wie schädlich Stress für meinen Körper und Geist ist, und will nicht länger zulassen, dass Stress mein Leben bestimmt. Ich werde ab sofort bewusst daran arbeiten, meine Gedanken und mein Verhalten im Umgang mit Stressoren zu verändern.
Wenn ich bis zum (Datum) spürbare Fortschritte in meinem Stressmanagement erreicht habe, belohne ich mich mit: ________________, ________________.
Sollte ich mir nicht bewusst Zeit für mein Stressmanagement genommen haben und in alte Muster zurückgefallen sein, verzichte ich auf: ________________, ________________.
3. Identifiziere und bewerte die Stressoren in deinem Leben
Nachdem du dich zum regelmäßigen Stressmanagement verpflichtet hast, geht es darum herauszufinden, welche Situationen dir wenig Stress bereiten und welche dich so richtig in die “Stresszone” katapultieren.
Manche Situationen verursachen mehr Stress als andere. Vergleiche deshalb, wie stark dich die einzelnen Auslöser tatsächlich belasten.
Erstelle eine Liste deiner bekannten Stressoren und bewerte jeden einzelnen anhand dieser Skala:
- 1 - Leicht stressig
- 2 - Mäßig stressig
- 3 - Stressig
- 4 - Sehr stressig
- 5 - Extrem stressig
Wenn deine Liste fertig ist, konzentriere dich zuerst auf die Punkte mit den Werten 5 und 4, bevor du dich den Stressoren mit 3, 2 und 1 widmest.
Für jeden Stressor hast du grundsätzlich vier Möglichkeiten:
- Du änderst deine Reaktion auf den Stressor.
- Du entfernst den Stressor aus deinem Leben.
- Du veränderst den Stressor so, dass er weniger Stress verursacht.
- Du verlässt die Umgebung, die dich stresst.
Ernährung und Stress
Was hat Essen mit Stress zu tun?
Seit vielen Jahren weisen sowohl Naturheilkundler als auch Schulmediziner auf den Zusammenhang zwischen Stress und unserer Ernährung hin.
Da Stress selbst zahlreiche Gesundheitsprobleme auslösen oder verschlimmern kann, solltest du ehrlich prüfen: Verschlimmert dein Essen deinen Stress? Oder sorgt dein Stress dafür, dass du dich schlecht ernährst?
Die folgenden Ernährungsregeln helfen dir, auf eine Ernährung umzustellen, die dein Stressmanagement voll unterstützt.
1. Iss ausgewogen und nährstoffreich
Die Ernährung eines Menschen spiegelt oft wider, wie gut er mit Stress umgehen kann. Wenn du häufiger zu Limonade, Süßigkeiten und Junkfood greifst als zu gesunden, unverarbeiteten Lebensmitteln, ist das möglicherweise ein Zeichen für einen anhaltenden Stresszustand.
Eine ausgewogene Ernährung hilft gestressten Menschen nachweislich, weil sie die Funktionen und das Gleichgewicht des Körpers insgesamt verbessert. Regelmäßig Obst und Gemüse zu essen unterstützt eine ausgeglichenere, entspanntere Grundstimmung, denn sie liefern die Mikronährstoffe, die dein Gehirn für seine normale Funktion braucht.
Wer sich ständig mental erschöpft und körperlich ausgelaugt fühlt, tut sich mit dem Stressmanagement deutlich schwerer. Du hilfst deinem Körper im Kampf gegen Stress, indem du ihn bei seinen Aufgaben so effizient wie möglich arbeiten lässt.
Und noch etwas: Wenn dein Körper bereits durch Zusatzstoffe und Konservierungsmittel im Essen belastet ist, dauert es länger, bis du deine natürliche Stressreaktion wieder unter Kontrolle bekommst.
2. Reduziere Cola, Tee und Kaffee
Beliebte Getränke wie Cola, Kaffee und Tee haben eines gemeinsam: Koffein.
Koffein ist ein natürliches Stimulans, das im Körper Wirkungen erzeugt, die der Stressreaktion zum Verwechseln ähnlich sind: erhöhter Puls, ein hochreaktives Nervensystem und gesteigerte Wachsamkeit.
Wer nicht ohnehin unter zu viel Stress steht, nutzt diese Pseudo-Stress-Effekte des Koffeins vielleicht sogar gezielt, um effizienter zu arbeiten oder morgens wach zu werden.
Das Problem mit Koffein und anderen Pseudo-Stressoren wie Nikotin (aus Tabakprodukten) und Theobromin: Sie ahmen nicht nur die natürlichen Stresssignale nach, sie machen dein Nervensystem auch reaktiver als sonst.
Ein überreiztes Nervensystem sorgt dafür, dass du dich häufiger und schon bei kleinsten Anlässen gestresst fühlst.
Wenn du also bereits gestresst bist, sind Rauchen, Kaffee und starker Tee keine gute Idee. Diese Substanzen entspannen dich nicht, sie verstärken deinen Stress sogar noch.
3. Meide Weißmehl, raffinierten Zucker und Maissirup
Diese drei Zutaten stecken in fast allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln, weil sie billig in großen Mengen zu haben sind und ihren Zweck erfüllen.
Die Forschung deutet allerdings darauf hin, dass sie deinem Körper schaden können, indem sie dein Nervensystem aus dem Gleichgewicht bringen.
Beim Abbau dieser Zutaten verbraucht dein Körper überdurchschnittlich viel Vitamin C und B-Vitamine, um sie in verwertbare Glukose umzuwandeln. Fehlen dem Körper ausreichend B-Vitamine und Vitamin C, beginnt das Nervensystem zu streiken.
Die menschliche Stressreaktion ist eng mit dem Nervensystem verbunden, denn sie ist eine automatische Antwort auf wahrgenommene Bedrohungen. Wir haben keine direkte Kontrolle über die Stressreaktion, wir können sie nur indirekt über Stressmanagement-Techniken beeinflussen.
Frag deinen Arzt, ob eine zusätzliche Vitaminversorgung sinnvoll sein könnte, um dein allgemeines Stresslevel zu senken.
4. Reduziere Salz
Salz hat eine starke Wirkung auf den Körper: Einmal aufgenommen, erhöht es automatisch die Fähigkeit des Körpers, Wasser zu speichern. Das klingt harmlos, kann aber vor allem bei Bluthochdruck dem Herz-Kreislauf-System schaden.
Speichert dein Körper durch hohe Salzaufnahme zu viel Flüssigkeit, steigt tendenziell dein Blutdruck.
Bist du zusätzlich ständig gestresst, steigt der Blutdruck noch weiter, denn in Momenten starken Stresses schüttet der Körper Adrenalin aus, das den Blutdruck zusätzlich erhöht.
Unkontrollierter Bluthochdruck kann bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Herzinfarkte oder Schlaganfälle auslösen. Kontrolliere deshalb deine Salzaufnahme, um deinen Blutdruck in einem gesunden Bereich zu halten.
Als grobe Obergrenze für gesunde Erwachsene gelten etwa 5 Gramm Salz pro Tag. Wenn du Bluthochdruck hast, hat dir dein Arzt vermutlich ohnehin schon zu einer salzarmen Ernährung geraten.
5. Iss mehr Ballaststoffe
Wer täglich ausreichend Ballaststoffe zu sich nimmt, profitiert gleich doppelt:
Erstens verringern Ballaststoffe die Aufnahme von Fetten, insbesondere des “schlechten” LDL-Cholesterins, indem sie die Wände des Dünndarms auskleiden, wo die Nährstoffaufnahme stattfindet.
Zweitens wirken Ballaststoffe wie ein “Besen”, der feste und halbfeste Ablagerungen aus dem Dickdarm fegt. Da der Körper Ballaststoffe nicht verdauen kann, transportieren sie wie ein rollender Schwamm Abfallstoffe nach draußen.
Medizinische Studien zeigen außerdem, dass eine ballaststoffreiche Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln das Risiko für mehrere Krebsarten senken kann. Mehr Ballaststoffe bedeuten einen saubereren Darm: Abfallstoffe mit krebserregenden Verbindungen bleiben nicht mehr lange dort, wo sie den größten Schaden anrichten können.
Für dein Stressmanagement heißt das: Ballaststoffe entlasten deinen Körper auf natürliche Weise und reduzieren so den körperlichen Stress, den eine schlechte oder unausgewogene Ernährung ohnehin schon verursacht.
6. Vermeide “emotionales Essen”
Emotionales Essen bedeutet, dass du isst, um dich mental von Stress abzulenken oder zu trösten. Es hängt direkt mit deinem Appetit und deinen Essgewohnheiten zusammen.
Das Problem: Beim emotionalen Essen greifen die meisten Menschen zu kalorienreichem Junkfood, um ihren Stress zu dämpfen.
Mit der Zeit gewöhnt man sich so sehr an diese Gewohnheit, dass allein der Verzicht darauf Stress auslösen kann.
Ein weiterer Nachteil ist das schlechte Gewissen nach dem Verzehr großer Mengen Trostessen. Für manche bedeutet Trost eine große Tafel Schokolade, für andere schmilzt der Stress erst mit einem Becher Eiscreme vor dem Fernseher dahin.
Die Schuldgefühle nach dem Griff zu ungesundem Essen verstärken den Stress und führen langfristig zu noch mehr emotionalem Essen. Ein Teufelskreis entsteht.
7. Setze auf Eiweiß
Die meisten Menschen essen zuerst die kohlenhydratreichen Beilagen und greifen erst danach zur Eiweißquelle auf dem Teller.
Ernährungsexperten empfehlen die umgekehrte Reihenfolge: erst das Eiweiß, dann das Gemüse, zuletzt die Kohlenhydrate.
Wenn du zuerst Eiweiß isst, setzt dein Körper Botenstoffe frei, die gespeichertes Fett anzapfen und in Energie umwandeln. Während du weiterisst, bekommt dein Gehirn nach und nach das Signal, dass du satt bist, und zwar deutlich früher.
Das hilft besonders Menschen, die bei Stress routinemäßig große Mengen Kartoffeln, Brot oder Reis verdrücken, denn diese klassischen Trostspeisen sind reich an Kohlenhydraten und sorgen für den bekannten “Wohlfühl-Kick”.
Übrigens: Man muss kein klassischer emotionaler Esser sein, um bei Stress zu Trostessen zu greifen. Das Ergebnis ist aber fast immer dasselbe: Man isst zu viel, und das ist weder gut für dein Wohlbefinden noch für dein Stressmanagement.
Die goldenen Regeln des Stressmanagements
Zum Abschluss fassen wir die wichtigsten Grundsätze in unseren “goldenen Regeln des Stressmanagements” zusammen. Sie dienen dir als Wegweiser, wenn du deine eigenen Techniken gegen die individuellen Stressoren in deinem Leben entwickelst.
Eines vorweg: Es ist unmöglich, alle Stressoren aus dem Leben zu verbannen. Unser Verstand wird immer Wege finden, Situationen als stressig zu bewerten. Aber du musst nicht länger in deinem eigenen Stresskreislauf gefangen sein. Ab jetzt lässt du Stress abfließen, sobald er sein hässliches Haupt erhebt.
Bist du bereit? Hier sind die neuen Spielregeln im Kampf gegen den Stress.
1. Entscheide dich für Entspannung
“Wie soll ich mich denn entspannen? Ich kann jetzt nicht entspannen, ich bin viel zu gestresst!” Solche Sätze hört man ständig, und sie zeigen ein grundlegendes Missverständnis: Wer so spricht, hat gerade eine Entscheidung getroffen, nämlich die, gestresst zu sein.
Noch einmal: Beim Thema Stress hast du immer eine Wahl. Du kannst dich in den Nachwirkungen deiner Stressreaktion suhlen und dich wie ein ausgewrungener Lappen fühlen. Oder du entscheidest dich, deinen Stress zu managen, damit er dich nicht runterzieht.
Es gibt unzählige Möglichkeiten zu entspannen, ganz ohne emotionales Essen, Rauchen, Alkohol oder andere zerstörerische Gewohnheiten.
Für viele Menschen ist zum Beispiel eine feste Sportroutine am Morgen der wirksamste Weg: früh aufstehen, etwas Ausdauertraining, ein paar Gewichte, danach duschen. Wer so in den Tag startet, fühlt sich oft den ganzen Tag über positiv und entspannt. Andere würde genau dieses frühe Aufstehen zusätzlich stressen. Wieder andere schwören auf regelmäßige Massagen, um den Arbeitsstress loszuwerden.
Der Punkt ist: Es gibt kein Patentrezept. Finde heraus, was dich am meisten entspannt, und mach daraus eine tägliche oder wöchentliche Routine.
2. Schlafe jede Nacht ausreichend
Viele Jugendliche und Erwachsene entwickeln die ungesunde Angewohnheit, jeden Abend lange aufzubleiben, obwohl sie wissen, dass sie am nächsten Morgen früh raus müssen, sei es für die Arbeit, die Schule oder die Familie.
Irgendwann glauben diese Menschen, 4 oder 5 Stunden Schlaf würden ausreichen, um den Tag zu überstehen. Typischerweise werden sie dann nach dem Mittagessen oder am frühen Abend müde, kämpfen gegen den Schlaf an und sind gestresster als sonst, weil ihr Körper gegen den Schlafmangel protestiert.
Um das zu vermeiden, solltest du mindestens 6 Stunden pro Nacht schlafen. Sechs Stunden sind dabei das Minimum, nicht das Maximum. Hilfreich ist außerdem eine feste Abendroutine, damit du jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehst.
So trainierst du deinen Körper darauf, früh zur Ruhe zu kommen und früh aufzuwachen. Vermeide das “Stundenzählen”, also das ständige Rechnen, wie viele Stunden dir noch bleiben, bis der Wecker klingelt. Das hilft dir nicht beim Einschlafen, es verführt dich nur dazu, noch länger wach zu bleiben.
Schlaf hat einen enormen Einfluss auf dein Stresslevel, im Job wie zu Hause. Mit genug Schlaf gehst du positiver und gelassener durch den Tag und gerätst nicht gleich in Rage, wenn dich jemand bei der Arbeit nervt. Auch hier gilt: Gestresst zu sein ist eine Wahl. Wer absichtlich zu wenig schläft, entscheidet sich bewusst dafür, am nächsten Morgen gestresst aufzuwachen.
3. Hör auf zu grübeln
Sich Sorgen zu machen ist, genau wie Stress, eine natürliche Reaktion auf wahrgenommene Probleme. Der eigentliche Zweck: Sorgen helfen dir, dringende Probleme zu erkennen und zu priorisieren. Viele Menschen entwickeln jedoch eine chronische Grübel-Gewohnheit, die über Jahre hinweg massiven Stress verursacht.
Chronisches Grübeln löst keine Probleme. Im Gegenteil: Es hindert dich daran, Ziele zu setzen und echte Lösungen zu entwickeln. Wenn du zu viel grübelst, reagiert dein Körper mit Stress, und dieser Stress vernebelt dein Denken genau dann, wenn du klare Lösungen bräuchtest.
Beim Grübeln konzentrierst du dich nicht auf die Lösung des Problems, sondern nur auf das Problem selbst.
Wenn du dich dabei ertappst, dass du ständig über ein Problem grübelst, sag dir bewusst: Stopp. Jetzt wird nicht mehr gegrübelt, jetzt wird eine Lösung erarbeitet.
Schreib alle möglichen Lösungen auf und wähle die aus, die für deine aktuelle Situation am besten passt. Überlege, welche Mittel du zur Umsetzung brauchst, und werde so schnell wie möglich aktiv.
4. Bring Ordnung in dein Leben
Eine der häufigsten Stressquellen der modernen Welt ist Unordnung. Chaos, besonders zu Hause, kann die Stressreaktion immer wieder aufs Neue auslösen, und so viel Dauerstress macht auf Dauer jeden mürbe.
Wenn Wohnung und Büro im Chaos versinken und du nicht weißt, wo du anfangen sollst, kann es helfen, professionelle Unterstützung zu suchen, etwa durch einen Aufräum-Coach oder professionellen Organisierer. Sich Hilfe zu holen ist eine gute Option, wenn du schlicht nicht weißt, wie der erste Schritt zu mehr Ordnung aussieht.
5. Nutze deine Zeit klug
Zeit ist eine der wertvollsten Ressourcen, die ein Mensch haben kann. Gestresste Eltern, Studierende und Berufstätige haben alle denselben Traum: 2 bis 5 Stunden mehr pro Tag für alles, was erledigt werden muss.
Wenn dein Tagesplan hektisch ist und du das Gefühl hast, nie genug Zeit für alles zu haben, liegt das wahrscheinlich daran, dass du deine Zeit nicht klug einteilst. Zeitmanagement ist die vielleicht wichtigste Produktivitätsstrategie überhaupt.
Bewährte Hilfsmittel sind digitale To-do-Listen auf Smartphone oder Tablet, ein klassischer Kalender oder ein Jahresplaner. Wer Dinge Wochen oder Monate im Voraus plant und Aufgaben früher erledigt als nötig, verschafft sich wertvolle “Freizeit-Reserven” für später.
Wenn du diese goldenen Regeln verinnerlichst, deine Stressoren kennst und Schritt für Schritt an deinen Reaktionen arbeitest, wirst du merken: Stress verliert seine Macht über dich. Nicht über Nacht, aber stetig. Und jeder Tag, an dem du dich bewusst für Gelassenheit entscheidest, ist ein gewonnener Tag.
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